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    Nur ein ganzheitlicher Ansatz kann die Ausbreitung von Zika verhindern

    Der jüngste explosionsartige Anstieg von Zikafällen hat zu weltweiter Beunruhigung geführt und diese von Moskitos übertragene Krankheit, die früher nur als eine mild verlaufende Erkrankung galt, wird nun mit angeborenen Fehlbildungen bei Säuglingen und neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Nur ein ganzheitlicher Ansatz zur Vektorbekämpfung* unter aktiver Einbeziehung von ganzen Gemeinden kann uns helfen, dies zu bewältigen.

    Aedes aegypti, die Hauptmückenart, die Zika, Denguefieber, Chikungunya und Gelbfieber auf Menschen überträgt, hat sich erstaunlich gut an die von Menschen geschaffene städtische Umgebung angepasst. Foto: Gathany/CDC

    Am 1. Februar, hat die Weltgesundheitsorganisation den weltweiten Gesundheitsnotstand wegen Zika ausgerufen, der einer koordinierten weltweiten Reaktion bedarf. Die Anzahl der Fälle in Lateinamerika und der Karibik ist dramatisch gestiegen und Gesundheitsexperten vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen diesem Virus und dem Geburtsfehler Mikrozephalie besteht, der dazu führt, dass Neugeborene mit ungewöhnlich kleinen Köpfen zur Welt kommen. Verständlicherweise herrscht große Angst unter der Bevölkerung, während Regierungen und Gesundheitsorganisationen weltweit verzweifelt daran arbeiten, diese Krise zu bewältigen.

    Zika wurde erstmals in 1947 in Uganda identifiziert und schien mehrere Jahrzehnte lang eine relativ leichte Erkrankung zu sein. Anfangs hat sie sich nur langsam von Afrika aus nach Asien ausgebreitet. Jedoch seit ihrer explosionsartigen Ausbreitung in Lateinamerika im letzten Jahr scheint sie erheblich gefährlicher geworden zu sein. Bisher gibt es noch keine Impfung oder ein Heilmittel dagegen. Nach Ansicht internationaler Experten ist die beste Vorbeugungsmaßnahme die Bekämpfung von Moskitos und zu vermeiden , dass diese die Menschen überhaupt stechen. Das bedeutet, unter Moskitonetzen zu schlafen, geschlossene Kleidung zu tragen und Insektenschutzmittel zu verwenden, aber es erfordert auch die Bekämpfung und Reduzierung der Moskito-Population selbst, etwa durch die Entfernung ihrer Brutstätten.

    Der Zika-Überträger ist der Aedes Moskito, die gleiche Art, die auch für die Ausbreitung von Krankheiten wie Denguefieber und Chikungunya verantwortlich ist. Im Gegensatz zu anderen Moskitos sticht er sowohl tagsüber als auch nachts in gut beleuchteten Häusern. Auch gedeiht er besonders in von Menschen geschaffener städtischer Umgebung, wo er in unmittelbarer Nähe von Menschen lebt und sich vermehrt. Die Larven finden sich in jeder beliebigen kleinen schattigen Wasserstelle, von Wasserfässern bis hin zu Pfützen – sogar der Schraubverschluss einer Bierflasche ist groß genug für die Vermehrung von Aedes. Deshalb lässt sich dieser Moskito so schwer kontrollieren. Wasser sammelt sich überall in städtischer Umgebung – auf Baustellen, in Blechdosen, in Stapeln von Autoreifen, Pflanzgefäßen und Eimern – und diese Moskitos sind sehr einfallsreich, wenn es darum geht, Plätze zu finden, in denen sie ihre Eier ablegen können.

    Aedes Moskitos vermehren sich in städtischer Umgebung, überall dort, wo sich Regen ansammelt oder Wasser gespeichert wird – auf Baustellen, in Stapeln alter Autoreifen, Pflanzgefäßen und sogar in den kleinsten Flaschenverschlüssen. Foto: Thinkstock

    Während Aedes in städtischer Umgebung besonders gedeiht, wissen die Menschen oft nicht genügend über den Moskito und seinen Lebensraum, um ihn erfolgreich zu bekämpfen. Gesundheitsbehörden bedienen sich mehrerer Methoden der Moskitobekämpfung, einschließlich der biologischen Kontrolle, des Besprühens von Gebäuden und Häusern, des Vernebelns von größeren Flächen im Freien und der Behandlung von Wasserbehältern, um das Heranreifen der Larven zu adulten Moskitos zu verhindern. In erster Linie brauchen wir jedoch einen ganzheitlichen Ansatz, der Aufklärung, Kontrolle, Präventivmaßnahmen und kurative Behandlungsformen kombiniert. Es ist nicht ausreichend, sich auf das Sprühen von Insektiziden zu verlassen. Wenn die Bevölkerung sieht, wie Gesundheitsbehörden mit Vernebelungsmaschinen durch die Gegend fahren, mag das ein kurzfristiges Gefühl der Beruhigung hervorrufen, aber das könnte täuschen. Die Angst ist gewichen, aber die Gefahr ist womöglich immer noch groß, dass dies zu Passivität in der Bevölkerung führt, die glaubt, dass die Behörden das Problem gelöst haben. Und innerhalb kürzester Zeit sind die Moskitos wieder da.

    Die beste Prävention ist es Moskitos zu bekämpfen und von vornherein verhindern, dass diese die Menschen überhaupt stechen. Ein ganzheitlicher Ansatz ist enorm wichtig, der Aufklärung, Kontrolle, Präventivmaßnahmen und kurative Behandlung zur Entfernung von Brutstätten kombiniert. Photo: Eduardo Girao

    Nur eine aktive Mitwirkung der ganzen Gemeinde kann dabei helfen, diese Gefahr zu bewältigen. Die Bevölkerung muss informiert werden, wie sie Moskitos kontrollieren kann, und darin bestärkt werden, die Verantwortung für ständiges Entfernen oder Behandeln von stehendem Wasser, das sich in der Nähe von Geschäfts- oder Wohngebäuden und in ihrer unmittelbaren Umgebung befindet, zu übernehmen. Dazu braucht es das Engagement jedes Einzelnen, regelmäßig potenzielle Larven-Brutstätten zu beseitigen. Genauso wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen dem privaten und öffentlichen Sektor. Regierungen müssen Gemeinden angemessen beraten, wie sie planen, Prioritäten setzen und die Ausbringung von Insektiziden durchführen sollen, anstatt sich nur auf notfallmäßiges Benebeln zu verlassen.

    Dieser ganzheitliche gemeindenahe Ansatz hat auch in der Vergangenheit schon funktioniert. Als Malaria in den achtziger Jahren in Indien epidemische Ausmaße angenommen hatte, wurden Methoden des biologischen und des Umweltmanagements eingesetzt, an denen sich ganze Gemeinden beteiligten. Das Bewusstsein für das Problem zu schärfen, Aufklärungskampagnen und die Schaffung von Anreizen wirksame Schritte zu unternehmen, haben geholfen, die Moskito-Population, und dadurch auch die Gefahr einer Malariainfektion, zu reduzieren.

    In jüngerer Zeit hat BASF ähnliche Aufklärungsprogramme unterstützt, um in Singapur die Verbreitung des Denguefiebers zu bekämpfen. Teilnehmer waren nicht nur Umweltmanager und Spezialisten in Schädlingsbekämpfung, sondern auch Bauunternehmer, Baufachleute und Gebäudemanager. Sie alle wurden über die Biologie der Moskitos, Brutzyklen, Lebensräume sowie über Vorbeugungsmaßnahmen, integrierte Überwachung und Behandlungsprogramme unterrichtet. Man kennt sie als die “Dengue Warriors” und sie sind sowohl mit den Mitteln als auch mit dem Wissen zur Bekämpfung der Moskitogefahr in ihrem Teil der Welt bewaffnet.

    Die gute Nachricht ist, dass diese Art des koordinierten Vorgehens nun auch bei Zika stattfindet. In Honduras hat die Regierung kürzlich aufgrund der steigenden Anzahl von Zikafälle den Notstand ausgerufen und hat die Bevölkerung aufgerufen im Kampf gegen diese Krankheit zu helfen. Über 200.000 Menschen aus allen Teilen der honduranischen Gesellschaft haben sich freiwillig bereit erklärt, ihre Gemeinden aufzuräumen, Wohngebiete zu desinfizieren und potenzielle Brutstätten für Moskitos zu beseitigen.

    Nur durch eine koordinierte andauernde Herangehensweise ganzer Gemeinden, kann dieser Gefahr begegnet werden. Die Bekämpfung darf nie enden – es genügt nicht, Moskito-Brutstätten nur während der Regenzeit oder überhaupt nur einmalig zu beseitigen. Dies muss das ganze Jahr passieren und das jedes Jahr. Auch wenn eine Gemeinde das Problem bewältigt hat, kann sie in ihren Anstrengungen nicht nachlassen. Andernfalls kehrt dieses extrem anpassungsfähige Insekt und die Krankheit, die es überträgt, zurück.

    Zum Autor

    Egon Weinmueller ist Direktor für das Arbeitsgebiet Öffentliche Gesundheit bei BASF und Vorsitzender der Gruppe für Vector Control bei CropLife International. Hr. Weinmueller hat über 30 Jahre Erfahrung im Pflanzenschutz und im Bereich Öffentliche Gesundheit. Er ist Mitglied des Lenkungsausschusses der Arbeitsgruppe "Global Alliance for Alternatives to DDT" der Stockholmer Konvention und mehrerer "Roll Back Malaria" Arbeitsgruppen. BASF ist ein engagiertes Mitglied im Bereich Öffentlicher Gesundheit und arbeitet eng mit der Weldgesundheitsorganisation und dem privaten und öffentlichen Sektor zusammen, um Lösungen für die Kontrolle der von Moskitos übertragenen Krankheiten wie zum Beispiel Zika, zu finden.

    * Was ist ein Vektor?

    Ein Vektor ist ein Organismus, oftmals ein Insekt, der krankheitsübertragende Pathogene in sich trägt und überträgt. Vektorkontrolle ist eine Methode zur Begrenzung oder Vernichtung des Vektors, der die Krankheit überträgt. Es ist die Hauptmaßnahme im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsversorgung zur Reduzierung der Übertragung von Malaria und anderen von Moskitos übertragenen Krankheiten..

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